Froschzaun Wissholz

Im Frühling 2018 wurde man darauf aufmerksam, dass  hunderte von Amphibien die Wissholzstrasse überquerten und in die Richtung des Weihers in der Nähe des Restaurants Panorama wanderten. Zahlreiche Tiere wurden dabei von Autos überfahren.Das sollte sich nicht wiederholen. Im Frühling 2019 wurde die Umweltfirma Planikum mit Sitz in Winterthur beauftragt zu prüfen, wie viele Amphibien hier tatsächlich wandern. Der Naturschutzverein Gossau und Umgebung stellte die freiwilligen Helfer, welche die Zugstrecke über 4 Wochen betreuten. Anfang März, bei noch winterlichen Temperaturen, stellte der Pächter des Waldes, Adrian Manser, den Froschzaun entlang der Wissholzstrasse auf. Der Zaun sollte die Amphibien in ihrem Zug aufhalten, sie dazu zwingen, sich ihm entlang zu bewegen, so dass sie früher oder später in einen der eingegrabenen Kübel fallen würden. Auf der Strecke von  ca. 200  Metern wurden 13 Kübel eingegraben.

Jeden Morgen kontrollierten bzw. leerten die Betreuer die Kübel, um die Amphibien zu identifizieren, zu zählen und alles schriftlich festzuhalten. Dann mussten die Frösche über die Strasse getragen und in der Nähe des Weihers wieder frei gelassen werden.Übrigens fühlen sich die Amphibien nicht glitschig an, wie viele vermuten, sondern eher trocken, kühl und glatt. Oft fanden sich im Kübel aber richtige Amphibienklumpen. Die Männchen klettern zur Paarung auf den Rücken eines Weibchens und graben ihre Vorderfüsse regelrecht in den Bauch des Weibchens ein. Es kommt oft vor, dass sich mehrere Männchen auf dem gleichen Weibchen festsetzen.

Froschzaun (Foto: Adrian Manser)


Erdkröten-Knäuel (Foto: Gabi Tobler)

 

Am 7. März begann die tägliche Patrouille der NSV Leute. Anfangs war es oft zu kalt – ja es schneite immer wieder – als dass sich viele Frösche auf die Wanderung gemacht hätten. Auch war es immer wieder viel zu windig. Auch das mögen die Frösche nicht. Da die Amphibien meist nachts wandern und eine Mindesttemperatur von 5 °C  brauchen begann die Wanderung nur zögerlich. An guten Tagen wurden so um die 100 Amphibien in den Kübeln gefunden. Am allermeisten kamen Erdkröten vor, dazwischen Bergmolche, selten Gras-oder Wasserfrösche.


Das letzte Wochenende im März aber hatte es in sich. Bei immer noch kühlen Temperaturen fanden sich  am Samstag schon über 200 Erdkröten in den Kübeln, am Sonntag waren es dann schon fast 500 und am Montag sage und schreibe über 800. Wie das in den Kübeln wimmelte! Die Helfer brauchten an diesem Tag drei Stunden für ihre Runde. Und es brauchte schon viel Fingerspitzengefühl die Froschknäuel vorsichtig zu lösen.

Erdkröte auf Teichfrosch (Foto: Gabi Tobler)                              Erdkröten in Kübel (Foto: Gabi Tobler)

Anfang April gab es noch einmal gute Wandertage. Am 20. April wurde die Aktion eingestellt. Für die Rückwanderung sind übrigens keine Massnahmen nötig, da sie viel gestaffelter erfolgt. Im Mai wurde die Zählung am Wissholz ausgewertet: Insgesamt wurden über 4500 Tiere eingesammelt und gezählt. Davon sind ca. 80% Erdkröten. Aufgrund dieser hohen Zahl wandernder Amphibien wäre ein fixes Leitwerk als dauerhafter Schutz der Tiere sinnvoll. Bis dieses Projekt realisiert sein wird, werden sich hoffentlich weiterhin genug Freiwillige aktiv für das Wohl der Amphibien einsetzen. Wer sich hierzu angesprochen fühlt, kann sich gern beim NSV Gossau und Umgebung melden.

 

Text: Gabi Tobler, NSV Gossau